Juristische Begleitung für Orientierung und Sicherheit

Blogs 

Sanierung: Ab welchem Zeitpunkt kann diese gelingen?
 So wie eine Mutter die Lungenmaschine ihres Kindes bis zur letzten Sekunde eingeschaltet haben will, so kämpft ein Unternehmer dafür, dass für seine KMU bis zur letzten Sekunde gekämpft wird (Manchmal auch mit unheiligen Mitteln). Viele Sanierungspflichtige Aktionen scheitern, weil sie zu spät erkannt werden. Die Warnlampen für eine rechzeitige finanzielle oder organisatorische Gesunden der KMU werden nicht erkannt, weil naturgemäss immer auf eine bessere Wirtschaftslage gehofft wird. Aus einem teuflischen Kreislauf kommt man fast nicht mehr heraus, wenn bei kleineren KMUs immer mehr Lieferanten Vorauskasse verlangen, die Mitarbeiter aufbegehren, weil der Lohn immer später ankommt und die Bank vorsorglich das Kontokorrent blockiert. Irgendwann stellen auch Kunden Fragen, welche bisher nicht gestellt wurden. Durch die Unternehmenskrise arg gebeutelt, läuft der Geschäftsleiter und VR-P in Personalunion durch das schwierige Tagesgeschäft bereits auf Volllast. Immer mit dem Vorhaben, kurzfristige  Einnahmen zu erzielen. Die Verengung des Blickes auf die Probleme des Alltags schaltet die Unternehmung in den Überlebensmodus. 

Eine Unternehmenskrise kann durch aktienrechtliche Sanierungsmassnahmen bewältigt werden, sofern ihre Frühzeichen erkannt und rechtzeitig rettende Handlungen (und Unterlassungen) eingeleitet werden. Darunter fallen sämtliche aussergerichtlichen Massnahmen finanzieller, struktureller und organisatorischer Art wie zum Beispiel die Suche nach Überbrückungskapital.  


Welche Verantwortung trägt der KMU-Verwaltungsrat? 
Der Verwaltungsrat, respektive Geschäftsführer bei der GmbH, obliegen unübertragbare Aufgaben, die er in seiner Person wahrzunehmen hat. Im Rahmen der Oberaufsicht hat er die wirtschaftliche und finanzielle Lage der Gesellschaft kontinuierlich zu überwachen (Art. 716a Abs. 1 OR). Er untersteht einer Sorgfalts- und Treuepflicht (Art. 717 OR), die ihn zwingt, im Falle einer Unternehmenskrise die nötigen Sanierungsmassnahmen zu prüfen, vorzubereiten und durchzuführen. Dies tritt bei einer Unterbilanz (Verlust) auf. Liegen Anzeichen für eine Überschuldung vor, sprich zeigt die letzte Jahresbilanz, dass die Hälfte des Aktienkapitals und der gesetzlichen Reserven nicht mehr gedeckt sind, hat der Verwaltungsrat unverzüglich eine Generalversammlung einzuberufen und Sanierungsmassnahmen zu beantragen (Art. 725 Abs. 1 OR). Dabei hat er einen Sanierungsplan auszuarbeiten und die Aktionäre zu informieren. Besteht Besorgnis zur Überschuldung, ist eine Zwischenbilanz zu erstellen einem zugelassenen Revisor zu Prüfung vorzulegen  (Art. 725a Abs. 2 OR). Resultiert daraus, dass die Forderungen der Gläubiger weder zu Fortführungs-, noch Veräusserungswerten gedeckt sind, liegt eine Überschuldung vor: Der Verwaltungsrat hat unverzüglich den Richter anzurufen („Überschuldungsanzeige mit Bilanzdeponierung“). Auf Antrag hin kann ein Konkursaufschub bewirkt werden, sofern die eingereichten Sanierungsmassnahmen das Gericht für aussichtsreich einstuft. Hält sich der Verwaltungsrat ungenügend oder nicht an den o.g. Prozess, droht ihm Art. 164 ff StGB mit strafrechtlichen Konsequenzen infolge Konkursverschleppung. Oder anderer Handlungen wie zum Beispiel den „frühzeitigen“ Ausgleich des eigenen Darlehens oder Bevorzugung von nicht fälligen Kreditorenrechnungen.

Private Sanierung sind mit höheren Risiken verbunden
Der Unternehmer wartet zu lange: Es werden erstmals „private“ Sanierungsmassnahmen angestrebt. Darunter fallen zum Beispiel Zuwarten, Zuschauen oder Hoffen. Chancen werden verpasst. Die Auswirkungen der Publizität der Überschuldungsanzeige wird gefürchtet. Vielmehr werden nachvollziehbare Eigeninteressen vorangestellt, weil um die Einbusse des persönlichen langjährigen Einflusses infolge der richterlich angeordneten Unterstellung unter Aufsicht eines Sachwalters gefürchtet wird.  Darunter fallen u.a. auch die Gewährung von Überbrückungsdarlehen durch die Gesellschafter, resp. der Gesellschaft nahestehenden Personen, welche im Falle eines Konkurses vom Konkursamt als „kapitalersetzende Darlehen“ eingestuft werden und analog zum Rangrücktritt erst zuletzt befriedigt werden dürfen. 

Der einzig richtige Weg
Der rechtliche Teil des Sanierungsprozesses mit seinen Informationspflichten (hierzu gehört auch die vollständige, frei von Manipulationen, erstellte Debitorenliste für das Betreibungsamt), Einhaltung der gesetzlichen Regularien wie auch der finanzielle Teil mit dem Augenmerk auf die Bilanz (hierzu gehört ein straffes Debitoren- und Kreditorenmanagement) bilden zentrale Punkte bei der Sanierung. Ein noch grösseres Augenmerk sollte auf die internen organisatorischen Handlungen gelegt werden. Damit sind alle Handlungen (und Unterlassungen) gemeint, welche zum Beispiel dank Neukundenakquise, Neupositionierung oder Digitalisierung den Umsatz ankurbeln, die Kosten reduzieren - und somit die Ertragslage stärken.  
 

Unterstützung durch entfernte Spezialisten
Die Sanierung einer KMU und die damit einhergehende Bewältigung einer finanziellen Krise ist eine kombinierte Disziplin aus rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Handlungen. Der KMU-Verband stellt Experten zur Verfügung, zu deren Kernkompetenzen die Refinanzierung und Sanierung gehören. Externe Spezialisten wissen aus einer gesunden Distanz heraus, was auf eine Zeitachse der Sanierungsmassnahmen vorzukehren ist. Holen Sie sich frühzeitig ihre Unterstützung. Damit kann der Fortbestand ihres langjährigen Unternehmens auch in Zukunft gesichert werden.