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Lässt sich der Kundenstamm vor Missbrauch schützen?

Die Unternehmen befinden sich in einem dramatischen Wandel. Die sich schnell verändernden Märkte aber auch die ständig zunehmende Konkurrenz mit sinkender Marge zwingen die Unternehmer, ihre Geschäftsmodelle häufiger anzupassen. Dies führt vermehrt zu Fluktuationen. Anderseits setzen Mitarbeiter höhere Massstäbe hinsichtlich Zufriedenheit und Selbstverwirklichung im Berufsleben, was ebenso zum Stellenwechsel beiträgt.
Der wichtigste Asset eines Verkäufers ist der Kundenstamm. Er kann damit seinen Marktwert in einer neuen Unternehmung erhöhen oder aber die Akquisitionszeit in der Selbständigkeit auf Null verkürzen. 
Das Abwerbeverbot stellt eine Alternative zum Konkurrenzverbot dar, es hat weniger einschneidende Wirkung, wird dafür aber auch nicht als Berufsverbot aufgefasst. Somit sind für den Arbeitgeber keinerlei zusätzliche Kosten in Form von Abfindungen zu erwarten, welches ein Berufsverbot u.U. nach sich ziehen könnte.

Abwerbeverbot während dem Arbeitsverhältnis
Der Arbeitgeber ist während des Arbeitsverhältnisses über die arbeitsrechtliche Treuepflicht des Arbeitnehmers vor Kundenabwerbung geschützt. Dieser ist verpflichtet die berechtigten Interessen des Arbeitgebers in guten Treuen zu wahren (Art. 321a Abs. 1 OR). Grundsätzlich gilt das Kundenabwerbeverbot auch für die Zeit der Kündigungsfrist und der Freistellungsdauer, jedoch tendieren Lehre und Recht-sprechung auf eine Lockerung der Treuepflicht. Vorbereitungshandlungen für eine spätere konkurrenzierende Tätigkeit, wie Firmengründung, Miete von Räumlichkeiten sind zulässig, soweit sie die Marktstellung des Arbeitgebers nicht beeinträchtigen (vgl. BGE 117 II 72). 

Abwerbeverbot nach Vertragsende 
Mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses erlischt auch die Treuepflicht und es tritt anstelle der freie Wettbewerb, welcher die Abwerbung von Kunden basierend auf der garantierten Wirtschaftsfreiheit (vgl. Art. 27 BV) gestattet. Somit ist der ausge-schiedene Mitarbeiter berechtigt, seine erlangten Kundenkenntnisse zu nutzen und seine bisherigen Kunden anzugehen und abzuwerben. Jedoch besteht die Einschränkung auf seine eigenen Kunden. Diese Abwerbungsfreiheit gilt jedoch nur bedingt, da der ausgeschiedene Mitarbeiter einer über das Arbeitsverhältnis hinaus-wirkenden Geheimhaltungspflicht unterliegt (vgl. Art. 321a Abs. 4 OR). Für die Verhinderung von Abwerbungen ist dieses Mittel zu wenig weitreichend, da es sich auf ein Mitteilungsverbot gegenüber Dritten beschränkt. 

Abwerbeverbote, als vertragliche Regelung? 
Der Arbeitgeber kann die Möglichkeiten der Abwerbung eines ausscheidenden Mitarbeiters durch geeignete Vereinbarungen unterbinden. Da es sich bei der Treuepflicht gemäss Art. 312a OR um dispositives Recht handelt, empfiehlt es sich, diese im vertraglich zu vereinbaren.  
Weiter empfiehlt es sich, ein Abwerbeverbot sowie ein Verwertungsverbot zu vereinbaren, welches die Verwertung vertraulicher Informationen der Kundenkontakte untersagt. Für eine allfällige Verletzung des Abwerbeverbotes sowie der Geheimhaltungspflichten ist eine Konventionalstrafe festzulegen. 
Der ausgeschiedene Mitarbeiter kann jedoch seine ehemaligen Kunden anschreiben, sofern er sich an ihre Adressen «erinnern» kann. Das Kopieren von Kundenlisten und deren anschliessende Verwendung zwecks Abwerbung von Kunden ist hingegen verboten (UWG 3). Ebenfalls die Verleitung von Kunden zum Vertragsbruch gegenüber dem ehemaligen Arbeitgeber.

Gelegenheit macht (Daten-)Diebe
Im Grundsatz gehört es zur Führungsaufgabe des Arbeitgebers dem Verkäufer auf den korrekten Umgang mit dem Kundenstamm hinzuweisen. 
Um einen allfälligen Schaden aus einem Datenklau einzuschränken, sollte dem Verkäufer nur der Zugriff auf seine eigenen Kunden gewährt werden. Überdies empfiehlt es sich den Kundenstamm in einem zentralen Verkaufsinformationssystem abzulegen und nur personalisierten Zugriff darauf zu gewähren. 
Bei einer Grossunternehmung mag das so funktionieren. In einer KMU mit zehn Mitarbeitern hilft nur Eines: Vertrauen.